Artikel

David gegen David

Autor: Ralf Eichinger
Veröffentlicht: Linux Intern

Windows Vista wird es nicht schaffen und SuSE Linux auch nicht. Moderne Betriebssysteme tendieren zu immer größerem Ressourcenverbrauch. Die Zeiten einer einzelnen Installations-CD scheinen längst vorbei. Wir haben die Live-CDs von vier Mini-Linux getestet, die dem mit schlanken Desktops entgegentreten.

Neben SuSE, Ubuntu und anderen Desktop-Platzhirschen existiert ein munteres kleines Völkchen minimalistischer Linux-Distributionen, die um die Vorherrschaft in der Westentasche streiten. Minimalistisch soll dabei nicht die Funktionalität sein, sondern der Speicherhunger im PC. Getestet wurden die Distributionen

Alle bieten ein ISO-Image für eine Live-CD zum Download an, wobei deren geringe Größe auch erfreulicherweise kurze Downloadzeiten mit sich bringt.
Mit einer Live-CD in der Westentasche haben Sie jederzeit und überall "Ihr" Mini-Linux bei sich, sei es als mobiles Büro, als virenfeste Surf-Station, als Rettungssystem oder Game-Center. Sofern ein PC in Ihrer Nähe ist, können Sie von der Live-CD Ihren Desktop booten ohne dass das fest installierte Betriebssystem angetastet wird.
Wem eine CD zu sperrig ist, der installiert sein Mini-Linux einfach auf einen USB-Stick. Schon baumelt das Büro am Schlüsselbund. Zumindest bei zwei der vorgestellten Davids ist dies relativ einfach. Zu beachten ist dabei jedoch, dass erst neuere BIOS das Booten von USB-Sticks beherrschen.
Ist einem der kleine Freund dann so sehr ans Herz gewachsen, dass man eigentlich mit keinem anderen Betriebssystem mehr arbeiten will, kann man das System auch von der Live-CD aus direkt auf die Festplatte installieren. Einmal dort eingerichtet, kann der schlanke und schnelle David durch Installation zusätzlicher Anwendungen an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche angepasst werden.
Doch egal wo Sie letztendlich Ihr Mini-Linux installieren wollen, am Anfang steht immer die Erstellung der bootbaren Live-CD. Laden Sie sich das ISO-Image des ausgewählten Mini-Linux herunter. Im Kasten "ISO-Image auf CD brennen" erfahren Sie, wie Sie diese auf CD bannen können.

Tipp: ISO-Image auf CD brennen

Was ist ein ISO-Image?

"Ein ISO-Image bzw. ISO-Abbild ist die Bezeichnung für ein Abbild des Inhalts einer CD oder DVD im Format ISO 9660.
ISO 9660 definiert das Dateisystem, das für CD-ROMs bzw. DVDs normalerweise verwendet wird. ISO-Images können mit einem CD-Brenner auf CD-Rohlinge geschrieben werden. Dadurch wird eine exakte Kopie der CD-ROM/DVD erstellt, von der das ISO-Image ursprünglich erzeugt wurde. Das Dateisystem wird unverändert kopiert, dadurch bleiben Berechtigungen und andere Metadaten unverändert vorhanden."
(aus Wikipedia)

Wie brenne ich ein ISO-Image auf CD?

Sollten Sie das ISO-Image unter Windows auf CD brennen wollen, öffnen Sie Ihr Brennprogramm und erstellen Sie einen neue Daten-CD. Als Quelle geben Sie die heruntergeladene Datei mit der Endung ".iso" an.

Unter Linux können Sie das Brennprogramm "cdrecord" verwenden. Überprüfen Sie als Erstes, ob das CD-Laufwerk von "cdrecord" gefunden wird:

# cdrecord dev=/dev/cdrom -scanbus
Cdrecord-Clone 2.01 (i686-pc-linux-gnu) Copyright (C) 1995-2004 Jörg Schilling
?
scsidev: '/dev/cdrom'
devname: '/dev/cdrom'
scsibus: -2 target: -2 lun: -2
Warning: Open by 'devname' is unintentional and not supported.
Linux sg driver version: 3.5.27
Using libscg version 'schily-0.8'.
scsibus0:
        0,0,0     0) 'SONY    ' 'DVD RW DW-Q58A  ' 'UYS3' Removable CD-ROM
        0,1,0     1) *
        0,2,0     2) *
        0,3,0     3) *
        0,4,0     4) *
        0,5,0     5) *
        0,6,0     6) *
        0,7,0     7) *
Der CD-Brenner ist gefunden worden, das ISO-Image kann auf CD gebrannt werden.
Beispiel: Puppy Linux
# cdrecord -v speed=8 dev=/dev/cdrom -data puppy-1.0.8r1-mozilla.iso
cdrecord: No write mode specified.
cdrecord: Asuming -tao mode.
...
SCSI buffer size: 64512
atapi: 1
Device type    : Removable CD-ROM
Version        : 0
Response Format: 2
Capabilities   :
Vendor_info    : 'SONY    '
Identifikation : 'DVD RW DW-Q58A  '
Revision       : 'UYS3'
...
Track 01:   61 of   61 MB written (fifo 100%) [buf 100%]   4.0x.
Track 01: Total bytes read/written: 64679936/64679936 (31582 sectors).
Writing  time:  113.413s
Average write speed   3.8x.
Min drive buffer fill was 100%
Fixating...
Fixating time:   65.839s
cdrecord: fifo had 1019 puts and 1019 gets.
cdrecord: fifo was 0 times empty and 940 times full, min fill was 79%.
# eject
Analog dazu lassen sich die ISO-Images der anderen Mini-Linux brennen:
# cdrecord -v speed=8 dev=/dev/cdrom -data dsl-2.2.iso
# cdrecord -v speed=8 dev=/dev/cdrom -data feather-0.7.5.iso
# cdrecord -v speed=8 dev=/dev/cdrom -data slax-popcorn-5.0.6.iso

Damn Small Linux (DSL)

Damn Small Linux ist wohl derzeit das bekannteste Mini-Live-Linux. Der Name ist Programm: DSL ist der kleinste David in unserem Test (51 MB ISO-Image). Das Projekt selbst bezeichnet sich als "Business Card OS" ("Visitenkarten Betriebssystem"). DSL lässt sich auf ein nur 64 MB großes Medium installieren. So erlebt der alte 64 MB USB-Stick seinen zweiten Frühling!
Es basiert auf Knoppix, welches wiederum auf Debian basiert.
Beim Booten der Live-CD erscheint der Bootprompt "boot:". Für eine deutsche Tastaturbelegung geben Sie hier "dsl lang=de" ("=" ist auf der amerikanischen Tastaturbelegung die Taste rechts neben "ß" - bei "? ").
DSL bootet direkt in X Window.

DSL Start Bildschirm (zum Vergrößern klicken)
Bild: Damn Small Linux direkt nach dem Booten.

Der Standard-Windowmanager ist Fluxbox, die Desktop-Icons werden von ROX verwaltet. Als Erstes fällt einem die ausführliche Anzeige von Systemdaten rechts oben ins Auge. Man erhält interessante Informationen über die Auslastung des Systems, Netzwerktraffic und einiges mehr. In der rechten unteren Ecke ist ein Tool zum Mounten von Geräten zu sehen.

DSL online

Es wird auch die eigene IP-Adresse (hier "192.168.0.3") angezeigt, was bestätigt, dass das System als Host "box" erfolgreich in ein Netzwerk eingebunden werden konnte (über DHCP). Der Browser "Dillo" zeigt die lokalen Hilfeseiten, die Anleitungen zur Konfiguration anbieten. Zum Browsen im Internet ist Dillo leider nicht immer geeignet. Vor allem bei Webseiten, die verstärkt CSS verwenden, hat er Probleme mit der Darstellung. DSL hat hierfür den Browser "Firefox" mit an Bord.
An Netzwerk-Tools ist einiges geboten: u.a. VNCViewer, Rdesktop, ICQ, SambaClient, AxY_FTP, gPhone.

Soundcheck

Die Soundkarte wurde im Test automatisch erkannt. Nach dem Download einer (natürlich legalen) MP3-Datei aus dem Internet konnte dies mit dem Player XMMS erfolgreich getestet werden.

Druckreif?

DSL verwendet als Drucksystem "apsfilter", dessen Einrichtung etwas ungewöhnlich vonstatten geht. Der Entwickler von "apsfilter" freut sich über die Zusendung einer Postkarte. Deshalb wird man während der Druckerkonfiguration nach seiner Email-Adresse gefragt, an die die Postadresse geschickt werden soll. Die Konfiguration verläuft in einem dialogorientierten Kommandozeilenprogramm. Im Test konnte der Drucker (HP Deskjet 930C) nicht erfolgreich eingerichtet werden, da keine passenden Treiber enthalten waren.

Maus und Tastatur

Das Scroll-Rad der Maus funktioniert zwar, jedoch nur in eine Richtung. Die Umlaute der Tastatur funktionieren, wenn man beim Booten die bereits genannten Bootparameter übergeben hat. Sollten Sie dies vergessen haben, können Sie die Tastatur nachträglich mit "kbdconfig" konfigurieren. Rufen Sie in einem Terminalfenster "sudo kbdconfig" auf. Wählen Sie aus der Liste der Tastaturbelegungen "de-latin1" aus. Nach einem Neustart von X Window funktionieren die Umlaute.
Ein Problem blieb bestehen: Das "@"-Zeichen funktioniert nicht im Firefox oder unter Sylpheed. Das DSL-Forum bietet hierzu auch keine einfache Lösung...

DSL @ Work

An Standard-Büroprogrammen bietet DSL die Textverarbeitung Ted, die jedoch nur RTF- und TXT-Dateien verarbeiten kann. Mit dem MSDoc Convert Viewer Utility lassen sich MS Word-Dateien anzeigen oder nach Postscript konvertieren, so dass man diese ausdrucken kann.
Die Tabellenkalkulation Siag ist gut ausgestattet und kann auch mit Excel- und OpenOffice-Dateien umgehen.
Im PIM (Personal Information Manager)-Bereich wird kein komfortables Programm angeboten, lediglich eine konsolenbasierte Adress-Datenbank.

Programme zu mir!

Wem die Auswahl an vorinstallierten Anwendungen nicht ausreicht, der kann über den "myDSL Extension Browser" aus einer umfangreichen Liste (dem "Extension Repository") an downloadbaren Programmen auswählen. So läßt sich OpenOffice 1.1.4 nachinstallieren, was jedoch nur auf einer Festplatteninstallation Sinn macht.

DSL auf die Festplatte

Soll DSL nicht nur im flüchtigen Hauptspeicher existieren, bietet DSL die Möglichkeit der Installation auf Festplatte (oder USB). Dabei stehen zwei Installationstypen zur Auswahl: "Frugal Type HD Install" und "Debian Type HD Install". Die Entscheidung fällt nicht schwer, da eine "Debian Type" Installation nicht updatebar ist. Eine "Frugal Type" Installation ist leicht von Version zu Version upgradebar und vereinigt viele Vorteile der Live-CD in sich. Vor allem die Option "toram" ("in den Hauptspeicher") ist interessant, da dann das ganze System in den Hauptspeicher geladen wird, was zu einem merklichen Performancegewinn führt. Desweiteren sind Programme über das Extension Repository nachinstallierbar.
Vor der Installation auf die Festplatte muß diese partitioniert und formatiert werden. Wechseln Sie durch Aufruf von "sudo su" zum Benutzer "root" und starten Sie "cfdisk". Im Test haben wir folgende Partitionierung vorgenommen:

Nach der Partitionierung folgt die Formatierung:

# mke2fs /dev/hda1
# mke2fs /dev/hda3
# mkswap /dev/hda2
# swapon /dev/hda2

Booten Sie danach erneut von der DSL-Live-CD.
Starten Sie den Assistenten für die Festplatten-Installation: "Apps/Tools/Frugal Install/Frugal Lilo Install"

DSL-Assistent für die Festplatten-Installation
Bild: Der DSL-Assistent für die Festplatten-Installation

DSL-Linux wird nach der Beantwortung einiger Fragen auf die Festplatte kopiert und ein automatischer Reboot ausgelöst. Nach dem Warmstart ohne Live-CD können Sie vor dem Start von X zwischen dem "Xvesa"- oder "Xfbdev"-Server wählen. Nach der Auswahl von "Xvesa" werden noch einige Fragen gestellt (Maus, Tastatur, Auflösung) und dann startet X.

DSL auf USB-Stick

Die Installation auf einen (mind. 64 MB großen) USB-Stick gestaltet sich noch einfacher. Booten Sie die Live-CD. Starten Sie den Assistenten für die USB-Installation: "Apps/Tools/Install to USB Pendrive/For USB-ZIP Pendrive".

DSL-Assistent für die USB-Installation
Bild: Der DSL-Assistent für die USB-Installation

DSL partitioniert den USB-Stick selbständig in zwei Partitionen und kopiert dann alle erforderlichen Dateien auf den Stick.

Feather Linux

Das ebenfalls auf Knoppix (Debian) basierende Feather Linux ist mit einem 123 MB großen ISO-Image kein Leichtgewicht. Im Vergleich zu Damn Small Linux ist dieses doppelt so groß. Wir waren gespannt, was sich in dem Paket an Mehrwert versteckt. Nach dem Booten mit der Bootoption "knoppix lang=de" ("=" wiederum auf der Taste neben dem "ß") werden Sie nach dem zu verwendenden X-Server gefragt ("Xvesa" oder "Xfbdev"). Wir entscheiden uns für Xvesa und beantworten einige Konfigurationsfragen. Bei der Tastaturbelegung tippen Sie in das freie Eingabefeld "de-latin1" (bei DSL gab es immerhin eine Liste zur Auswahl).
Danach startet X.

Start-Desktop von Feather-Linux (zum Vergrößern klicken)
Bild: Der Start-Desktop von Feather-Linux

Es fällt sofort die Ähnlichkeit zu Damn Small Linux auf. Die auf dem Desktop vorhandenen Icons, Fluxbox als Window-Manager und der automatisch startende Dillo-Browser mit dem "Getting started"-Dokument kommen einem schon sehr bekannt vor...

Damn Small again?

Der erste Eindruck bestätigt sich bei der Analyse des Systems, daher sollen hier nur einige Unterschiede zu DSL aufgezählt werden:
Der Funktionsumfang ist ähnlich zu DSL, jedoch ist das mächtige Abiword als Textverarbeitung vorhanden. Wie unter DSL funktioniert das "@" im Firefox und in Sylpheed nicht. Eine Netzwerkverbindung über DHCP ist automatisch eingerichtet, die Soundkarte wurde auch erkannt und beim Drucksystem wird auch auf "apsfilter" zurückgegriffen. Das Scroll-Wheel funktioniert jedoch im Gegensatz zu DSL in beide Richtungen.
Positiv ist auch das Vorhandensein des grafischen Samba-Clients "LinNeighborhood" zum Mounten von SMB-Netzwerklaufwerken. Das Programm Xpaint wird zwar als Icon angezeigt, ist jedoch anscheinend nicht installiert.

Programme installieren

Feather Linux bietet im Programmmenü "Enhancements and Extras/Install" weitere Programme zum Nachinstallieren an. Die Auswahl ist jedoch bei weitem nicht so reichhaltig wie unter DSL.

Feather Linux auf die Festplatte

Die Installation auf Festplatte verläuft etwas geradliniger als unter DSL und als grafischer Assistent. Nach Auswahl der Festplatte startet "cfdisk" zur Partitionierung. legen Sie zumindest eine SWAP- und eine Linux-Partition an.

Assistent von Feather-Linux zur Festplatten-Installation
Bild: Grafischer Assistent von Feather-Linux zur Festplatten-Installation

Nach der Erstellung der Partitionierung werden die neuen Partitionen formatiert und das Feather-Linux-System kopiert. Daraufhin können Sie zusätzliche Einstellungen vornehmen:

Rebooten Sie das System nach erfolgreicher Installation ohne Live-CD.

Feather Linux auf USB-Stick

Für die Installation auf einen USB-Stick ist es nötig ein speziell dafür vorgesehenes ISO-Image herunterzuladen, das zudem nur in einer älteren Version zu finden war. Von einer Installation haben wir daher abgesehen.

Slax Linux

Das auf Slackware basierende Slax Live Linux wurde in der "Popcorn Edition" getestet, die laut Homepage des Projektes ob ihrer Größe (104 MB) auch für USB-Sticks geeignet sein soll.
Die CD bootet in eine Konsole und wartet am Login-Prompt auf die Eingabe von "root"/"toor". Danach können Sie X Window mit "startx" starten.

Start-Screen von Slax (zum Vergrößern klicken)
Bild: Der Start-Screen von Slax (Popcorn Edition)

Als Desktop kommt XFCE im poppigen Outfit daher. Durch die Verwendung eines (großen) 2.6-Kernels und des Xorg-Servers blieb anscheinend nicht mehr viel Platz für Anwendungen übrig. Zu mehr als zum Browsen im Internet, zur Textverarbeitung mit Abiword und als Musik-Box ist dieses Basis-System leider nicht zu gebrauchen.
Umfangreiche Konfigurationsassistenten wie unter DSL fehlen gänzlich.
Auch Festplatten- und USB-Stick-Installations-Assistenten sind nicht vorhanden.

Die Stärken von Slax-Linux liegen offensichtlich nicht in dem Angebot eines möglichst kleinen und kompletten Desktops. Wenn man jedoch seine eigene Live-CD erstellen will, so bietet Slax eine komfortable Ausgangsbasis dafür. Über sogenannte "Module" (zusätzliche Anwendungen), die auf der sehr gut gemachten Homepage vorgestellt werden, kann sich jeder sein maßgeschneidertes Softwareangebot zusammenstellen. Die Erstellung einer eigenen Live-CD wird nicht nur sehr ausführlich erklärt, es werden auch alle dafür notwendigen Skripte bereitgestellt. Diese lassen sich auch auf andere Distributionen anwenden.
Aus diesem Blickwinkel muß Slax auch gesehen werden: Als Demo für eine mit den Skripten erstellte Live-CD.

Puppy Linux

Bisher sieht Damn Small Linux wie der klare Sieger in unserem kleinen Wettstreit aus. Aber da ist noch unser letzter Kandidat: Puppy ("Welpe") Linux. Das Linux mit dem süßen Namen basiert auf keiner anderen großen Distribution. Das Herrchen des kleinen Hundes (Barry Kauler) hat sich die Mühe gemacht ein "Linux From Scratch", d.h. von Grund auf, selbst zusammenzustellen. Das ISO-Image ist mit 64 MB nicht viel größer als das von Damn Small Linux.

Puppy Linux erkennt beim Booten von der Live-CD die Größe des Hauptspeichers und kopiert bei ausreichender Größe den gesamten Verzeichnisbaum "/usr" in diesen. Dadurch wird das Starten von Programmen erheblich beschleunigt. Als Bootoption kann Puppy-Linux auch komplett in den Hauptspeicher geladen werden.

Es startet einen Konfigurationsdialog:

Wir haben Xorg als X-Server gewählt, da unter Xvesa die deutschen Umlaute (analog zu Damn Small Linux) nicht funktionierten.

Nach dem erfolgreichen Start von X Window werden sich Windows-User auf den ersten Blick heimisch fühlen:

Desktop von Puppy-Linux (zum Vergrößern klicken)
Bild: Der Desktop von Puppy-Linux mit ausgeklapptem Programmmenü und Dateimanager

Der Windowmanager JWM bietet eine zu Windows frappierend ähnliche Startleiste. Auch das Programmenü ist aufgeräumt und gut sortiert. Der Dateimanager "uexplor" ist aufgebaut wie der Windows-Explorer und die Bedienung daher jedem bekannt.
Die weiteren Merkmale haben wir zum besseren Vergleich mit DSL gleich strukturiert.

Puppy online

Das Netzwerk ist nicht automatisch konfiguriert worden, was sich aber einfach über den Aufruf von "Start/Setup/Ethernet/network Wizard" nachholen läßt:

Puppy Linux Netzwerk-Konfigurationsassistent
Puppy Linux Netzwerk-Konfigurationsassistent
Bild: Puppy Linux Netzwerk-Konfigurationsassistent

Die Netzwerk-Schnittstelle "eth0" ist erkannt und das entsprechende Treiber-Modul geladen. Zu weiteren Konfiguration klicken Sie auf den Knopf "eth0". Im nächsten Dialog haben wir "AUTO DHCP" gewählt. Schon kann der Welpe auf Reisen gehen...
Als Browser kommt Mozilla zum Einsatz und als Email-Client wiederum Sylpheed.

Soundcheck

Beim Einrichten zur Bootzeit wurde die Soundkarte bereits automatisch erkannt und erfolgreich getestet. MP3s lassen sich beim Download vom gxine-Plugin bereits im Browser abspielen oder nach dem Download mit dem "snackAmp" MP3-Player oder "gxine".

Druckreif?

Puppy unterstützt Canon, Epson, HP und Lexmark Drucker. Wenn Sie einen anderen Drucker besitzen, besteht immer noch die Möglichkeit, dass dieser unterstützt wird. Der grafische Drucker-Installationsassistent zeigt in einer langen Liste der nicht direkt unterstützten Drucker jeweils denjenigen vorhandenen Treiber an, mit dem der Drucker funktionieren sollte. Beim Einrichten eines Netzwerkdruckers haben wir zunächst USB als Schnittstelle ausgewählt. Beim Konfigurieren im Drucker-Manager "xpdq" verwenden wir die "bsd-lpd" Schnittstelle und geben die IP-Adresse des Druckers an. Voila! Puppy druckt!

Maus und Tastatur

Auch Puppy hat unter Xvesa Probleme mit dem Scrollrad und Umlauten. Wir haben uns deshalb bei der Installation für den Xorg-Server entschieden, der "äöüß@" korrekt unterstützt und auch keine Probleme mit dem Scrollrad hat.

Puppy @ Work

Puppy bietet für die tägliche Büroarbeit als Textverarbeitung das gute Abiword und als Tabellenkalkulation das sehr mächtige Gnumeric. Hier hat der Welpe eindeutig die Nase vorn. Auch in der Kategorie PIM (Personal Information Manager) kann Puppy punkten: Der Ical Terminplaner und das Gaby Adressbuch leisten hier gute Dienste.

Programme zu mir!

Im Gegensatz zu DSL verwendet Puppy Linux das eigene Paketformat ".pup" ("DotPup"-Pakete). Über den "Puppy package manager" lassen sich zusätzliche Anwendungen automatisch installieren. Es wird eine sehr große Auswahl eingeteilt in Kategorien angeboten.

Puppy auf die Festplatte

Puppy bietet eine Vielzahl an Wizards zur Konfiguration an. Darunter befinden sich auch die Wizards zur Installation auf Festplatte oder USB:

Puppy-Assistenten (zum Vergrößern klicken)
Puppy Festplatten-Installationsassistent
Bild: Die Puppy-Assistenten im Programmenü

Um Puppy auf Festplatte zu installieren, wählen Sie "Install Puppy hard drive":

Puppy Festplatten-Installationsassistent Bild: Puppy Festplatten-Installationsassistent

Wir wollen Puppy die volle Herrschaft über eine eigene Partition überlassen, daher wählen wir Option "2". Starten Sie eine Neuinstallation und geben Sie dann die Partition an, auf die Puppy installiert werden soll.
Auf unserem Testystem war dies "/dev/hda2", was die Installationsroutine jedoch verweigert, da diese Partition gemountet ist. Befolgen Sie den Ratschlag, dieser Partition mit "fdisk" einen Typ "QNX" zu verpassen und damit neu zu booten.
Nach dem Reboot steht die Partition dem Installer zur Verfügung. Die "id" wird nach zweimaligem Nachfragen automatisch auf "83" (Linux) geändert.
Puppy kopiert dann alle Systemdateien auf die neu formatierte Partition.
Zuletzt haben Sie die Möglichkeit den Bootmanager Grub zu installieren. Das ist eine gute Idee und ich installiere ihn in den MBR. Danach ist die Installation beendet.
Starten Sie Ihren Rechner neu ohne Live-CD.

Puppy auf USB-Stick

Die Installation auf USB folgt analog. Der USB-Stick darf dafür nur eine Partition (MS-DOS oder VFAT formatiert) haben. Puppy Linux speichert neben einigen anderen Daeien das Puppy-System in einer einzigen großen Datei darauf ab, die intern das EXT2-Dateisystem verwendet. Das hat gegenüber der USB-Installation unter DSL den Vorteil, dass Sie den freien Platz weiterhin auch unter Windows verwenden können. Die Größe der installierten Dateien beträgt knapp 320 MB.
Wählen Sie aus dem Setup-Menü den Eintrag "Install Puppy USB drive". Es startet der Installations-Assistent:

Puppy USB-Installationsassistent
Bild: Puppy USB-Installationsassistent

Drücken Sie einfach "Enter" für eine Neuinstallation. Nach dem Kopieren der Daten ist der USB-Stick einsatzbereit.

Fazit

And the winner is: Puppy Linux.
Sowohl Damn Small Linux als auch Puppy Linux verfügen über ein ausgeklügeltes Konfigurationssystem mit vielen Assistenten. Damn Small Linux bleibt weiterhin unangefochten der Titel des kleinsten Live-Linux und ist daher besonders für die Installation auf einem (64 oder 128 MB) USB-Stick interessant. Puppy Linux braucht da schon einen 512 MB Stick, was beim Booten erheblich länger dauert.
Aber als Live-CD bietet Puppy Linux das kompletteste System und zeigt kaum Schwächen. Anders als unter DSL funktioniert der Drucker und auch die deutsche Tastatur. Als mobiles Büro (oder Spielhölle) ist Puppy Linux ebenfalls besser ausgestattet. Es hat das Zeug dazu jedes andere Desktop-Linux (oder Windows) zu ersetzen.
Ebenso wie DSL läßt sich Puppy Linux komplett im Hauptspeicher betreiben, so dass das CD-Laufwerk nach dem Entfernen der Live-CD uneingeschränkt für andere Zwecke (Musik-CD, CD brennen, etc.) verwendet werden kann.
Feather Linux kann mit DSL nicht ganz Schritt halten, obwohl beide offensichtlich sehr ähnlich sind. Feather Linux bietet zu wenig installierbare Anwendungen. Es fehlt auch die Möglichkeit direkt auf USB-Stick zu installieren.
Slax-Live Linux war wohl nie für die Kategorie des kompletten Mini-Systems vorgesehen, bietet jedoch eine interessante Plattform für die Erzeugung einer eigener Live-CD.

Wann holen Sie sich Puppy-Linux ins Haus?

Vergleichtabelle der Konkurrenten

Damn Small Linux (DSL) Feather Linux Puppy Linux Slax Linux
Homepage http://www.damnsmalllinux.org/ http://featherlinux.berlios.de http://www.puppylinux.org/ http://www.slax.org/
Version 2.2 (07.02.2006) - CD Edition: 0.7.5 (03.07.2005)
- USB Edition: 0.7.4 (27.02.2005)
1.0.8r1 (25.02.2006) - Popcorn Edition: 5.0.6 (19.07.2005)
Größe ISO-Image dsl-2.2.iso (51 MB) - CD Edition: feather-0.7.5.iso (123 MB)
- USB Edition:feather-0.7.4-usb.zip (118 MB)
puppy-1.0.8r1-mozilla.iso: (64 MB) Popcorn Edition: slax-popcorn-5.0.6.iso (104 MB)
Basis Knoppix (Debian) Knoppix (Debian) LFS Slackware
Kernel-Version 2.4.26 2.4.27 2.4.29 2.6
X11-Version Xfree86 4.3.0 Xfree86 4.3.0 Xfree86 4.3.0, Xorg 6.8.1 Xorg
Default Desktop Fluxbox Fluxbox JWM 1.4 XFCE 4.2.2
Webbrowser Firefox 1.0.6 Firefox 1.0.4 Mozilla 1.8b2 Firefox 1.0.4
Email-Client Sylpheed 0.9.3 Sylpheed 1.0.1 Sylpheed 2.0.1 --
Dateimanager EmelFM 0.9.2 ROX-Filer (+ EmelFM 0.9.2) uxplor 0.26 (+ ROX-Filer) Xffm
Textverarbeitung Ted 2.16 (RTF, TXT) Abiword 2.2.1 Abiword 2.4.1 Abiword 2.0.12
Tabellenkalkulation Siag 3.5.7 Siag 3.5.7 Gnumeric 1.4.3 --
Bildverarbeitung Xpaint 2.6.2 Xpaint (nicht installiert) mtPaint 2.20, Sodipodi --
HD-Installer x x x --
USB-Installer x (x) x --

Quellen